Im dritten Spiel der UEFA-Cup-Gruppenphase mußte der VfB zu PAOK Saloniki reisen. Zum Flieger gab es keine wirklichen Alternativen und so flogen Gecko, Westwood und ich mit Germanwings ab Köln nach Thessaloniki, zu uns gesellten sich Schorsch aus Aachen und LOFI. Westwood hatte in der Woche sein Portmonnaie mit Ausweis verloren und so mußte er sich beim Bundesgrenzschutz, die neuerdings Bundespolizei heißt, einen Notfallreisepass ausstellen lassen, der in Verbindung mit dem Führerschein zur Einreise nach Griechenland hoffentlich reichen sollte.

FlugzeuglektüreUm 10.25 Uhr sollte der Flieger abheben, doch schon früh wurde 10.55 Uhr als neue Abflugzeit angegeben, eine weitere halbe Stunde und ein Bier später war es dann endlich so weit. Während Gecko Westwoods Ausgabe vom "Fussball-Junkie" lass, trank sich der Rest ein Bier, oder auch zwei. Der Pilot, der als Verspätungsgrund Nebel angab, machte seinen Job gut und holte zumindest wieder eine halbe Stunde raus. Am Flughafen in Thessaloniki erwartete uns neben Dauerregen auch Bambo der über Frankfurt mit Olympic Airways unterwegs war.

Die Mehrheit unserer Gruppe wollte unbedingt mit dem Taxi in die Innenstadt und so stellten wir uns in die Taxi-Wartereihe und betrachteten mit Interesse wie ein Polizist den Taxiverkehr regelte, als wir an der Reihe waren, bestiegen wir zwei Taxen und ließen uns zum Hotel fahren, nach einer Fahrt durch den dauerhupenden Verkehr und einer seltsamen Strecke über die Außenbezirke kamen wir am Hotel an, auf der Taxiuhr standen knapp 14 € und man dachte mit 15 € sei man ein großzügiger Kunde gewesen, aber plötzlich sprach der Taxifahrer etwas von Airport- und Gepäckgebühr und wollte zusätzliche 9 € haben, Diskussionen brachten nichts und auch der andere Fahrer beharrte darauf, werden sich wohl während der Fahrt abgesprochen haben und so zahlte man schließlich.

Unser Hotel Telioni war ganz annehmbar, die Frau an der Rezeption war äußerst freundlich und sprach perfekt deutsch, nachdem man sich kurz frisch gemacht hatte, ging es dann auch bereits Richtung Stadion, da es immer noch regnete, entschied man sich erneut für ein Taxi, diesmal wurde man zwar nicht verarscht, aber die griechische Sitte freie Plätze im Taxi während der Fahrt bei gleicher Richtung aufzufüllen, ist schon etwas gewöhnungsbedürftig. Leider wollte der Verkehr nicht so wirklich und obwohl der Fahrer alles versuchte und uns einmal weiträumig - dem Stau ausweichend - ums ganz Stadion kutschierte, ließ er uns 1-2 Kilometer vom Toumba Stadium entfernt raus, am Flutlicht orientierend liefen wir die restliche Strecke durch den Regen.

Regen, Regen, RegenAm Stadion sah man nur Polizisten und PAOK-Fans, vom Gästeblock nichts zu sehen, also lief man nochmal halb ums Stadion, um dann zufällig zu erfahren, das wir anfangs bereits am Gästeblock waren, also wieder zurück, überall Schlangen griechischer Fans, kein Kassenhäuschen, an dem man seine vom VfB erhaltenden Voucher in reale Eintrittskarten eintauschen konnte, plötzlich erblickten wir Frau Schneider von der Geschäftsstelle, die uns herbeiwinkte und einfach Richtung Marathontor schickte, dort gingen wir zielstrebig ins Stadioninnere und befanden uns plötzlich ohne Eintrittkarte im Gästeblock, wo außer uns erst ein paar wenige Fans vor Ort waren, der Block füllte sich dann langsam und auch die anderen Blöcke der Kurve wurden über unseren Eingang gefüllt, von Fantrennung also keine Rede, auch wenn der Block selber mit alten, wackligen hohen Zäunen umrandet war.

Die mit dem VfB-Tagesflieger anreisenden Fans, wurden erst um 17 Uhr vom Hafen per Bus Richtung Stadion weggelassen und kamen so erst eine Viertelstunde vorm Anpfiff. Trotz des schlechten Wetters - der Regen prasselte kontinuirlich - war das Stadion, welches nur auf dem oberen Teil der Haupttribüne überdacht ist, komplett gefüllt. Die Stimmung war eindrucksvoll. Im Gegensatz zu der Kommerzialisierung in der Bundesliga herrscht hier noch Fußball pur, sehr wenig Frauen und Familien im weiten Rund und wenn das Stadion sang und hüpfte, waren so gut wie alle dabei und zum Einlauf der Mannschaften wurden ca. 30 Bengalos in der Fankurve gegenüber präsentiert.

Der VfB begann druckvoll und hatte in der ersten halben Stunde 4-5 hochkarätige Chancen und hätte bereits führen müssen, in der 2.Halbzeit konnte Hildebrand nach einer Ecke den Ball nicht festhalten und so führte PAOK plötzlich 1:0, die Stimmung um uns herum natürlich auf ihren Höhepunkt, wir waren zwar weiterhin überlegen, aber wirkliche Chancen blieben Mangelware. Als eine Viertelstunde vor Schluß Meißner mit Gelb-Rot vom Platz flog, schien das Spiel und auch die UEFA-Cup-Saison gelaufen. Aber es sollte anders kommen, einen Weitschuß von Ljubola ließ der Heimtorwart 5 Minuten vor Abpfiff ins Tor passieren und nun wollte der VfB auch noch den Sieg, als der eingewechselte Gomez plötzlich allein im Strafraum auf den Torwart zulief, wurde er von hinten umgerissen. Neben dem Platzverweis entschied der spanische Schiedsrichter korrekter Weise auf Strafstoß. Ljuboja nahm sich zielstrebig den Ball und hämmerte ihn unhaltbar ins Tor.

JAAAAAAAAAA!!!

Mit den Heimfans gab es bis auf eine kurze Phase, in der wohl einige PAOK-Fans eine Stuttgarter Zaunfahne mobsen wollten und ein Becher Richtung Heimblock flog, und ein paar Hasstiraden am Zaun ausgetauscht wurden, worauf die Polizei um unseren Block Aufstellung nahm, keine Probleme. In der Halbzeit wurde man sogar aus dem Stadion gelassen, um sich draußen an den Buden zu verpflegen. Die Blöcke um uns herum leerten sich langsam, und ein PAOK-Fans, der sich am Zaun zu unserem Block herumhangelte wie ein Affe im Dschungel und uns seine "Frohen Wünsche" mitteilte, sorgte für Heiterkeit. Natürlich bekam er von uns ein Ständchen (u.a."Du hast dein Leben im Griff") was ihn scheinbar noch wütender werden ließ. Die vielen in Deutschland wohnenden PAOK-Fans präsentierten uns stolz ihre Zaunfahnen und zogen Ehrenrunden über den Platz, aber so langsam nervte das ewige Warten im Regen bis die Blocksperre endlich aufgehoben wurde.

Nach über einer Stunde konnten wir endlich raus, zu Fuß machten wir uns auf den Weg zur Innenstand, nahmen aber wohl die falsche Richtung, überall war immer noch Stau und Taxen waren auch keine frei oder vorhanden, immerhin fanden wir den richtigen Bus und waren froh endlich im Trockenen zu sein. In der Nähe vom Aristoteles Platz stiegen wir aus und fanden durch Navigationskünste des "Reiseleiters" auch recht zügig unser Hotel. Nachdem die nassen Sachen gewechselt wurden und einige schnell geduscht hatten, trafen wir uns wieder unten in der Hotellobby, inzwischen war es schon fast 23 Uhr.

Ouzo, Ouzo, OuzoSchorsch hatte an der Rezeption einen Restaurant-Tipp erhalten und so machten wir uns auf. Im Restaurant wurden wir freudig empfangen. Leider war die Speisekarte komplett auf griechisch und keiner der Angestellten konnte ansatzweise deutsch oder englisch. Ein Gast, der gut deutsch sprach, lange in Deutschland gewohnt hatte und sich als Bobbi und hiesiger Autohändler vorstellte, half uns bei der Bestellung und der Wirt servierte uns sein ganzes Programm. Nach dem ausgiebigen Mahl inklusive Dessert, einigen Runden Ouzo, die uns unter andern auch Bobbi ausgab, revanchierten wir uns und schickten Schorsch mit einer Karaffe zu Bobbis Tisch, was für ihn spürbare Folgen haben sollte. Während am Nachbartisch die Ouzos nur so flossen und Bobbi Schorsch einen "großen Zigarettendeal" anbot, tranken wir gemütlich unsere letzte Karaffe aus und machten uns nach einem letzten Ouzo am Nachbartisch auf, inzwischen war es schon 2 Uhr durch, Schorsch blieb jedoch noch etwas länger.

SchlafenszeitNeben dem Hotel besorgten wir uns noch ein Bier im Kiosk, während Simon sich dort mit dem Inhaber anfreundete, gingen wir mit zuvor getroffenen bekannten VfB-Fans in die Kneipe nebenan. Der Wirt war selten zugegen und so besorgte man sich zwischendurch immer wieder ein Bier drüben im Kiosk, war eh billiger ;-), als dann die andern Jungs wieder aufbrachen, blieben LOFI, Gecko und ich direkt im Kiosk und sprachen mit den beiden Griechen hinter dem Tresen noch über PAOK, das Spiel und in Deutschland lebende Bekannte bzw. Verwandte, scheinbar gibt es niemanden in Nordgriechenland, der keinen kennt, der in Deutschland wohnt. Um 4 Uhr machten wir uns dann ins Hotel auf. LOFI, der mit Schorsch das Zimmer teilte, bekam den vor uns heimgekehrten Schorsch allerdings nicht mehr wach und so nächtigte er bei uns im Dreibettzimmer auf dem Boden. Das Frühstück wurde bereits verschlafen als Bambo an der Tür klopfte, er war bereits fertig, da er schon Freitags heimflog. Mittags brachen dann Westwood, Gecko und ich zur Sightseeing-Tour auf, während LOFI das Zimmer wechselte und nun mit Schorsch zum Schönheitsschlaf ansetzte.

Ouzo, Ouzo, OuzoZuerst ging es bei Sonnenschein und 15 Grad Celsius runter zum Hafen, dann die Promenade entlang zum Weißen Turm, dem Wahrzeichen von Thessaloniki, da dieser zur Besichtigung offen war, stiegen wir natürlich die Treppen innen hoch und kamen auch endlich mal oben an, der Ausblick auf Meer und die Innenstadt war es aber wirklich wert. Später gingen wir dann am Messeareal vorbei zum Kaftanzoglio Stadium, das für das olympische Fußballvorrundenturnier 2004 renoviert wurde und in dem Iraklis Saloniki inzwischen seine Heimspiele austrägt. Außerdem kam man noch an zahlreichen mir entfallenen Kirchen, Gebäuden, Denkmälern etc. vorbei, über die Innenstadt ging es dann langsam wieder Richtung Hotel, wo wir nach gut 10 Kilometern auch eintrafen.

Unsere beiden Zimmernachbarn lagen noch immer in ihren Betten und so machten wir es uns auf unseren Betten gemütlich und schauten Fernsehen, zufällig lief auf einem Programm das Halbfinal der Copa Sudamericana zwischen Vélez Sarsfield und den UNAM Pumas, wie der geneigte Leser weiß, spielt bei Vélez Emanuel Centurion, der vom VfB zu seinem Heimverein ausgeliehen wurde und auch in der Startelf stand, allerdings bei einem langweiligen 0:0 nicht wirklich auffiel, auf der linken Mittelfeldseite spielte und zur Halbzeit ausgewechselt wurde. Kurz vor 20 Uhr waren dann auch Schorsch & LOFI geduscht und fertig und so konnte man noch bei RTL aktuell (in Deutschland war es erst kurz vor 19 Uhr) das Schneechaos in der Heimat betrachten.

EssenszeitAuch wenn das Essen gestern fantastisch und der Preis auch sehr gut war, wollten wir diesmal was anderes ausprobieren, bereits am Nachmittag hatten wir um den Aristoteles Platz einige schöne kleine Restaurants ausgekundschaftet. Übrigens hatte Schorsch inzwischen von Bobbis "Zigarettenaktion" Abstand genommen, eventuell auch weil er ihm eine schöne Sause in Salonikis Rotlichtbezirk für nur 1000 € vorschlug. Nach einem kleinen Ausflug zum Hafen, fanden wir einen guten Platz in einem der kleinen Straßenrestaurants. Auch hier war das Essen sehr gut, den Ouzo ließen wir aber lieber weg. Nervig blieben einzig die ständig vorbeiziehenden Straßenhändler, die scheinbar jeden Plunder an den Mann bringen wollten, aber wenig erfolgreich blieben, schönere Aussichten gaben immerhin die Hostessen die kostenlose Zigarettenpackungen verteilten.

Gruppenbild im KisokDie Uhr neigte sich der Geisterstunde als wir aufbrachen um noch ein paar Bars und Clubs am Hafen zu besuchen, es gab zwar eine sehr gute Ausfall an Örtlichkeiten, aber bei 5 € für eine Flasche 0,33 l Bier (10 Meter weiter am Kiosk 0,5 l für 1 €) brachen wir nach einem Getränk wieder auf und orientierten und weiter stadteinwärts, LOFI beim Versuch der Öffnung einer Bierflaschein der nächsten Kneipe blieben wir, bis man uns signalisierte schließen zu wollen und so endeten wir erneut im Kiosk beim Hotel. Es ging noch feucht-fröhlicher als am Vortag zu und nach 30 Versuchen schaffte es LOFI endlich eine Bierflasche per Feuerzeug zu öffnen. Irgendwann am frühen Morgen brachen wir dann doch auf um noch ein wenig Schlaf zu bekommen, das Frühstück wurde teilweise erneut verschlafen und um 12 Uhr ging es zu Fuß zum Aristoteles Platz, wo man mit dem Bus zum Flughafen fuhr, Taxi war uns nach den Erlebnissen von der Anreise zu wider, auch wenn zwei Fußlahme teilweise anderer Meinung waren.

Nach 40 Minuten Fahrt waren wir bereits am Flughafen und auch heute hatte unser Flieger eine halbe Stunde Verspätung, diesmal las ich den "Fussball-Junkie", wobei ich den ein oder anderen Inhaltsfehler fand, es ist aber sicherlich durchaus lesenswert. Um 17 Uhr hatten wir wieder deutschen Boden unter den Füßen und unsere Wege trennten sich, teilweise nur für wenige Stunden, da sonntags bereits das nächste Spiel in Frankfurt anstand...


CJ