Stade Rennes - VfB Stuttgart 1:2
Stade Rennes hieß der erste Gegner in der UEFA-Cup-Gruppenphase, die seit der Reform im Vorjahr zum zweiten Mal erneut mit Teilnahme des VfB stattfindet. Die undurchsichtige Computerauslosung setzte dieses Spiel als Auswärtsspiel an und so ging es frühmorgens über Aachen, Lüttich, Charleroi, Valenciennes, Amiens, Le Havre und Caen in die Hauptstadt der Bretagne.
Nach einem kurzem Abstecher an die Atlantikküste waren wir um kurz nach 15 Uhr in Rennes, unser Hotel in Le Rheu einige Kilometer außerhalb wurde relativ schnell gefunden und so ging es per Bus - 1,10 € fürs Ticket sind sehr löblich - in die Innenstadt. In einem Straßencafe noch schnell ein Bier getrunken, obwohl schnell? Nein, dieses Bier schmeckte so gewöhnungsbedürftig, das ich jedem abraten kann es dauerhaft trinken zu wollen, etwa so wie goldengefärbter kalter Kaffee, da kann man auch gut verstehen warum die Franzosen so gerne Wein trinken.
Nun ging es zum Stadion wo man noch ein Bier trank, das auch danach schmeckte und tauschte vorm Gästeblock noch unsere Voucher in richtige Eintrittskarten ein.
Das Stade de la Route de Lorient wurde in den letzten Jahren komplett renoviert und macht einen sehr guten Eindruck und ist inzwischen komplett überdacht, so dass alle Bedenken, ob es heute regnet, überflüssig waren. Die grün-blaue Farbgebung der Sitze ist leider eher sponsorenbedingt und wirkt bei den schwarz-roten Vereinsfarben mehr als deplatziert. Der Gästeblock war auf der Tribune Ville de Rennes, der Hintertortribüne, die in Richtung Innenstadt gelegen ist. Knapp 400 VfB-Fans waren zugegen, das Stadion füllte sich eher langsam, doch zum Spielbeginn waren fast 23.000 Zuschauer im Stadion, in welches 30.000 hereinpassen.
Nach dem schlechten Spiel vom letzten Wochenende daheim gegen Mönchengladbach änderte Trapattoni die Aufstellung auf 4 Positionen. Tomasson - in der Liga noch gesperrt, Magnin und Stranzl auf den Außenpositionen und Tiffert ersetzten Gomez, Gerber, Hinkel und Gentner. Taktisch wurde nichts geändert und so blieb auch die angeblich vom Management geforderte Mittelfeldraute im "Werkzeugkasten".
Bei den Gästen fehlten einige Stammspieler verletzt. Alex Frei, der im Sommer heftig mit einem Wechsel zum VfB geliebäugelt hatte, konnte auflaufen, blieb aber blaß. Stuttgart übernahm sofort das Spielgeschehen, blieb aber im Spielaufbau zu umständlich und konnte sich nur wenig Chancen herausspielen. Die schwachen Gäste konnten also zufrieden mit 0:0 in die Halbzeit gehen, aus der beim VfB auch der wieder erneut sehr schwache Gronkjaer zurück kam. Das Spielgeschehen auf dem Platz änderte sich kaum, Ljuboja der wenig später für Gronkjaer kam, stellte sich mit einer gelbverwarnten Schwalbe im Strafraum vor, konnte aber ansonsten ansatzweise überzeugen, aber ein Tor wollte immer noch nicht fallen. In der 69.Minute kam dann auch Carevic für Cacau, allerdings nicht - wie oft berichtet - als Spielmacher sondern auf der linken offensiven Außenseite.
Nun begann die Drangperiode der Bretonen, aber mit ein wenig Glück und Dank der Innenverteidigung um Meira & Delpierre wurde diese überstanden. In der Schlußphase merkte man dass der VfB unbedingt gewinnen wollte und erarbeitete sich einige Chancen, die beste durch Tomasson, der allerdings beim Abschluß gefoult wurde und ein Elfmeterpfiff ausblieb. In der 87. Minute passierte dann doch noch irgendwie ein Tor. Hitzlsperger mit einem Freistoß von halbrechts, Carevic verlängert an den langen Pfosten, wo Delpierre elegant zum Fallrückzieher ansetzt und der Ball Tomasson an den Fuß springt und von da über den Torwart im Tor landet. Ekstase im Block. Kurze Zeit später wird Tiffert im Strafraum von den Beinen geholt und der Schiedsrichter entscheidet auf Elfmeter. Ljuboja nimmt sich etwas überraschend den Ball und verwandelt sicher zum 2:0. Auswääääätrsssssieg!!!
Die UMBA mit der Mannschaft verlief zwar etwas unrund, aber das war nun wirklich unwichtig. Endlich wieder mal ein Auswärtssieg, der Abend war nun auch gerettet. Nach einer kurzen Blocksperre, ging es zur Frittenbude vorm Stadion, die in einer vom Grill verursachten ungesunden Rauchwolke eingenebelt war. Bratwurst im Crepes oder Baguette mit Fritten sind zwar etwas gewöhnungsbedürftig aber gar nicht mal so schlecht. Scheinbar fand das auch unsere Mannschaft und so deckte sich die halbe Truppe mit besagten Leckereien ein.
Während sich die Spieler zum Flughafen aufmachten, ging es bei uns - nun unterstützt durch LOFI - per Bus zur Innenstadt, mit der Hilfe von zwei Einheimischen fanden wir dann auch das Kneipenviertel. Rennes hat nicht nur eine schöne Altstadt sondern ist auch eine der größten Universitätsstädte in Frankreich, wodurch sich auch eine sehr gute Kneipen-Infrastuktur gebildet hat. Sogar an einem Werktag war hier die Hölle los und so waren die Rahmenbedingungen natürlich exzellent. Nach einigen Kneipenwechseln sowie einigen netten aber sicher auch einigen fragwürdigen Bekanntschaften und zahlreichen Runden - zwischendurch sogar mal ein Bier im original 1-Liter-Maßkrug - ging es um 3 Uhr auf Taxisuche und so kam man um halb 4 im Hotel an. LOFI der bei uns "nächtigte", mußte bereits um 7 Uhr wieder am Bahnhof sein um per Zug heimzufahren, wir anderen konnten wenigstens bis 9 Uhr schlafen.
Um 10 Uhr ging es dann Richtung Aachen, wo am Abend noch das Zweitligaspiel der Alemannia gegen Kickers Offenbach Zwischenetappe sein sollte. Natürlich wurde auch noch etwas Kultur mitgenommen und so wurde der Mont Saint Michel in Augenschein genommen, wobei das Regenwetter wenig ideal war. Die Rückfahrt verlief bis auf einen kleineren Stau bei Lüttich konfliktfrei und so erreichten wir kurz nach 17 Uhr Aix-la-Chapelle. Nach einer gemeinsamen Stadionwurst trennten wir uns, Bambo und ich gingen auf die Haupttribüne während Westwood und Gecko das Spiel im Gästeblock verfolgten. Nach dem Spiel ging es dann nach Düren und Kerpen wo sich unsere kleine Gruppe auflöste und wir unserer Wege gingen. Ich möchte mich nochmal bei unserem Fahrer Bambo bedanken, der trotz der Kontaktfreude von mit französischen Kennzeichen versehenen Autos die Ruhe in Person blieb. Im ganzen ein wirklich schöner Ausflug.
CJ
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