31.07.02: VfB Stuttgart - Slaven Belupo 2:1 (1:0)


Gerade gegen die auf dem Papier leichten Gegner tat sich der VfB in der Vergangenheit in schöner Regelmäßigkeit schwer. Im UI-Cup-Halbfinale wartete mit Slaven Belupo wieder einer dieser Gegner: von kaum jemandem gekannt und allseits als leicht machbare Aufgabe eingeschätzt. Vielleicht war das der Grund, daß sich an diesem Mittwochabend gerade mal 5000 Unverbesserliche ins weite Rund des Neckarstadions verirrten (selbst Pöbel-Paul hatte es vorgezogen daheim zu bleiben). Vielleicht war auch Mittwochabend ein ungünstiger Zeitpunkt. Fakt ist jedenfalls, daß sich die gähnend leere Vereinskasse über ein paar zusätzliche Zuschauereinnahmen sicher gefreut hätte. So wird das wohl nichts mit dem Schuldenabbau ...

Die wenigen Zuschauer schienen ihr Kommen jedoch nicht bereuen zu müssen, denn zumindest 83 Minuten lang lief alles nach Plan. Slaven Belupo war ganz offensichtlich der Meinung, nicht Fußball spielen zu können, denn von einem konstruktivem Spielaufbau konnte keine Rede sein. Einziges Ziel der Kroaten war die Unterbindung des Stuttgarter Offensivspiels, was ihnen streckenweise leider auch ganz gut gelang. Begünstigt wurde dies allerdings auch durch das allzu behäbige Offensivspiel des VfB: ohne Mut zum Risiko und dennoch scheinbar gut genug für diesen Gegner. Zumindest 83 Minuten lang ......

In der ersten Halbzeit hatte der VfB Slaven Belupo immer im Griff, und obwohl es so aussah, als ob die Mannschaft mit angezogener Handbremse spiele, ergaben sich mehrere gute Chancen. Eine der ersten Chancen führte gleich zum 1:0. Ein von Seitz getretener Eckball landete auf Schneiders Schädel, und der köpfte ihn unhaltbar ins linke Eck. Weitere gute Chancen hatte in der ersten Hälfte v.a. Amanatidis; ein zweites Tor wollte jedoch nicht gelingen....

Die zweite Halbzeit lief sehr ähnlich wie die erste ab. Stuttgart versuchte das Spiel zu machen, verfing sich aber häufig in der gegnerischen Abwehr. Die Kroaten waren nur auf Spielzerstörung aus; konstruktives Spiel fand bis zur Schlußphase nicht statt. Trotz der Probleme im Stuttgarter Spielaufbau wurde der kroatische Anti-Fußball irgendwann Mitte der zweiten Halbzeit bestraft. Wiederum war es ein Eckball, und wiederum stand der Spieler goldrichtig, den die jüngeren Fans nur aus alten Heldenmärchen kennen: Thomas Schneider. Die jahrzehntelange Verletzungspause hat aus ihm offensichtlich einen torgefährlichen Spieler gemacht....

Nun wäre alles gut gewesen, wenn sich der Schiedsrichter vertan hätte und das Spiel ein paar Minuten zu früh abgepfiffen hätte. Da er aber leider die Uhr schon lesen konnte - eine Fähigkeit, die nicht bei allen Schwarzkitteln zu finden ist - wurde er Zeuge der bitteren 84. Minute. Eine Minute zuvor hatte Belupo die erste (!) Chance des Spiels noch vergeben, in der 84. Minute war es aber dann doch passiert: Die VfB-Abwehr steckte im Tiefschlaf und ließ die Kroaten ungehindert flanken und den Ball ins VfB-Tor köpfen. Beinahe wäre es sogar noch schlimmer gekommen. Nur wenig später wollte Hildebrand einen Ball außerhalb des Strafraums klären, konnte ihn aber nicht mehr erlaufen. Ein Glück, daß Belupo kein Kapital daraus schlagen konnte, da die angreifenden Spieler (deren Namen mir leider unbekannt sind) zu lange brauchten, um den Ball in Richtung des leeren Tores zu schießen. In der Zwischenzeit hatte sich Bordon bis zur Torlinie bequemt und schaffte es gerade noch, den Ball zu klären....

Es bleibt zu hoffen, daß Belupo im Rückspiel genauso schlecht (von den letzten Minuten abgesehen) spielt; dann hat der VfB trotz des unnötigen Gegentores eine gute Chance ins Finale vorzustoßen....

Wolfram