Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart
Endlich stand mal wieder eine Tour nach Frankfurt auf dem Plan. Idealerweise fiel das Spiel auf das Fassenachts-Wochenende, für mich also eine Reise mit besonderem Spassfaktor in die alte Heimat.
Leider mußte Armin wegen eines Geschäftstermins passen, sodass sein Bruder und ich uns alleine auf den Weg machten. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, vormittags noch schnell sanfte Grüße vom Tresen ins Büro zu schicken. Ein Schaden am IC mit 20-minütiger Verspätung ermöglichte uns darüber hinaus noch eine schnelle Qualitätsprüfung im Zapfhahn.
Nach einer ereignislosen und entspannten Anreise mit der üblichen Bier- und Burgerverpflegung fuhren wir zunächst ins Hotel, wo ich früher sechs Jahre geschafft habe und ein Zimmer für lau bekam.
Der Tag war noch jung, dennoch wollte man keine Zeit verlieren, weshalb wir auch umgehend am Tresen eincheckten. Dort wurde ich von einigen früheren Mitarbeitern begrüßt, und als wir dann zwölf Getränke später die Rechnung bestellten, ließ man uns wenigstens anstandshalber jeweils ein Bier bezahlen.
Danach gings zurück zum HBF, wo wir mit Duke verabredet waren und sofort in einen Irish Pub weiterzogen. Dort war Elmar dann kurzzeitig unentspannt und wollte einen Typen umschlagen, von dem er meinte, er hätte mich lauwarm angemacht und sich zudem von seinem Hund belästigt fühlte. Dabei hat die arme Sau lediglich gefragt, wo ich meinen Mantel gekauft habe. Nachdem das geklärt war, zogen wir Richtung Stadion weiter, um uns mit Stan zu treffen.
Da wir im Jahr zuvor kurz vorm Stadion eine halbe Stunde auf freier Strecke standen, wollte ich für diesen Fall das Risiko einer Dehydrierung minimieren und faßte noch schnell sechs Hülsen für den Weg.
Kaum im Stadion angekommen, schlug die Kugel auch schon zum ersten Mal ein, was Elmar aber auf dem Weg zum Bierstand verpaßte. Mir erging es dann ebenso beim 0:3, aber egal, man sah mal wieder eine phantastische erste Halbzeit und wurde mit Fußball vom Feinsten verwöhnt.
In der Pause begegnete man den üblichen Auswärts-Hackfressen, wo man noch den einen oder anderen Schluck abgreifen konnte. Sehr ärgerlich, wenn auch ohne Schaden, fand ich die erneute Kinderei, wer denn nun den Elfer verschießen darf. Diesen Scheiss hatten wir schon einmal, was uns damals zwei Punkte und eine mögliche CL-Teilnahme gekostet hat. Wenn man in der Truppe jetzt noch einen gescheiten Elfer- und Freistoßschützen an den Start bringen könnte, wär´s nahezu perfekt.
Die Stimmung war natürlich dem Ergebnis entsprechend und auch die Frankfurter wollten sich nicht lumpen lassen und zogen nach dem 0:4 eine geile Show ab. Nach dem Spiel gab´s vor dem Gästeblock noch ein großes Hallo mit dem YNWA-Mob, der nahezu komplett vertreten war, bevor es Richtung Sachsenhausen weiter ging. Stan entschied spontan, sich uns anzuschließen und erst am nächsten Tag nach Köln weiter zu reisen.
Zuvor wollte er noch einigen SGE-Ultras seinen Respekt für die Hammerstimmung nach dem 0:4 zollen. Also sprach ich die Jungs mal an, ob sie denn für Komplimente zugänglich wären, woraufhin einer meinte, sofort in Kampfstellung gehen zu müssen. Aber nachdem geklärt war, dass wir sie nicht verhöhnen wollten, konnte man sich korrekt unterhalten. Nach 15 Minuten gegenseitigem Eierkraulen zogen wir Richtung Innenstadt weiter, wo wir dann auch Elmar wieder aufsammelten.
In Sachsenhausen angekommen, war ich Trottel zunächst nicht in der Lage, meine Lieblingskneipe wiederzufinden, sodass man nach zwei erfolglosen Runden ums Carreé erst mal in die nächstgelegene Kneipe einlief, wo dann plötzlich Duke und Stan mit zwei SGE-Ultra-Weibern bei Tequila irgendwelche Stimmungsdiskussionen führten, sehr bedenklicher Vorgang...
Ich zog dann noch mal los, um besagte Kneipe zu finden, als ich direkt in eine Hundestaffel mit Knüppel im Anschlag lief. Jetzt erkannte ich auch den Eingang zu besagter Spelunke wieder, wo soeben einige blutende Stuttgarter rausgetragen wurden. Nachdem die Bullen eine Handvoll Frankfurter weggeheftet hatten und wieder Ruhe einkehrte, sammelte ich die Kameraden ein, um dorthin umzuziehen, mit dem nochmaligen Hinweis, in dem Laden auf ein Stuttgart-Schalala zu verzichten.
Kaum angekommen, sah sich Duke, der nun volle Betriebstemperatur erreicht hatte, veranlaßt, einem 2x2m-Eintracht-Vieh die Mütze vom Kopf zu reißen und damit tanzen zu gehen. Der entblößte Kollege wollte den Duke sofort einatmen, was ich aber, mit Hinweis auf dessen Unzurechnungsfähigkeit, abwenden konnte.
Der Laden gefiel auch allen anderen und die hammergeile Mucke ließ keine Wünsche offen. Einige Promille später folgte dann die unweigerliche Oberkörperfrei-Parade von Duke und Stan, wobei sie dem Publikum auch noch Einblicke in ihre bevorzugte Unterwäsche-Marke gewährten.
Ein völlig enthemmter und übermütiger Duke gröhlte nun jedem Anwesenden seine Schalala ins Ohr, was von diesen aber tapfer ignoriert wurde, während Stan am anderen Eck alle Klamotten anderer Gäste von einer Sitzbank schob, um sich ein kleines Nickerchen zu gönnen.
Kurz darauf wurden wir von der Security gebeten, doch mal so langsam zu verschwinden, bevor es eskaliert. Allerdings konnte ich die Jungs und den Keeper überzeugen, uns noch eine letzte Runde zu gewähren, bevor wir uns geräuschlos entfernten. Also aus dem Laden rauszufliegen, wenn man nicht gerade eine Schlägerei anzettelt, ist schon eine Meisterleistung, die mir in 15 Jahren Frankfurt mit anderen Leuten nicht gelungen ist...
Gegen 04:00 Uhr am Hotel angekommen, mußte ich erst mal schnell aus dem Taxi springen, um den erstbesten Rosenbusch anzubrüllen. Irgendeiner aus dem Gefolge, vermutlich Stan, hing plötzlich neben mir und hatte offensichtlich auch das Bedürfnis, sich diesen geilen Abend nochmals durch den Kopf gehen zu lassen, während Duke wieder mal panisch auf der Suche nach seinem Handy war, was den Elmar wohl dermaßen angekotzt hat, dass er kurzentschlossen und wutentbrannt das Hotel verließ. Duke lief wohl noch hinterher, Stan und mir war´s in dem Moment egal, wir wollten uns einfach nur ablegen.
Am Morgen danach sind natürlich alle mit einem Hammerschädel aufgewacht, das Frühstücksbuffet hatten wir verpennt. Glücklicherweise traf ich einige bekannte Gesichter, sodass uns der 2. Küchenchef noch ein ordentlich Futtertablett aufgefahren hat.
Nach einigen Litern Wasser und Kaffee wollte ich´s natürlich gleich wieder wissen und bestellte das erste Konterbier. Schließlich mußte ich mich ja so langsam auf den bevorstehenden Fassenachtsumzug vorbereiten. Duke versuchte tapfer, mit einer blutigen Marie mitzuhalten, unser zerfleddertes Küken begnügte sich hingegen mit einer Cola.
So langsam kam die Runde wieder in Schwung, und ich hatte Riesenbock, auch den Samstag mit den beiden Vollpfosten zu verbringen, mußte jedoch in Kürze los, um meinen Job beim Umzug zu machen.
Man ließ sich noch schnell auf zwei Scheidebecher am Tresen nieder, wo Duke, der allmählich wieder Normalform hatte, von anderen Gästen gebeten wurde, seine überaus gelungenen Parodien doch bitte etwas leiser vorzutragen.
Die Verabschiedung fiel mir recht schwer. Unsere beiden Freunde der Nacht wollten sich noch in Frankfurt zur Samstags-Konferenz niederlassen, wie deren Tag letztlich verlief, weiß ich bis heute nicht.
Als ich bei unserem Kappenclub ankam, wurden sogleich lecker gekühlte Hülsen gereicht und es gab reichlich anerkennendes Schulterklopfen meiner alten Eintracht-Kumpelz. Die nächste Hammerparty konnte also beginnen, und sie sollte der vom Vortag in Nichts nachstehen. Für mich ein megageiles Wochenende in der alten Heimat und mit Sicherheit eine meiner Top 5-Auswärtsfahrten. Dank an alle Beteiligten!
Siggi
PS: Wie zu hören war, sind Duke und Elmar wohl auch wieder klar miteinander.
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